|
Herzog
Carl August wurde am 3. September 1757 als Sohn von Anna Amalia
und Ernst August II. in Weimar geboren. Als er ein Jahr alt war,
starb sein Vater und Anna Amalia erkämpfte sich das Recht,
die Regentschaft über das Herzogtum bis zum 18. Geburtstag
ihres Sohnes zu übernehmen.
Sie war eine intelligente und vorausschauende Frau, die dafür
sorgte, daß ihre Kinder eine besondere Ausbildung bekamen,
indem sie anerkannte Literaten an den Hof holte. 1763 folgte der
Schriftsteller Johann Carl August Musäus ihrem Angebot, neun
Jahre später gelang es ihr, den größten deutschen
Dichter der damaligen Zeit Christoph Martin Wieland als Prinzenerzieher
zu verpflichten.
Carl August wurde von Wieland im Sinne der Aufklärung unterrichtet,
u.a. in Psychologie, Naturrecht, Staatsökonomie
und den Polizeiwissenschaften. Aber der Erbprinz sollte auch
charakterliche Fortschritte machen, denn er wurde als "derb,
polternd und leidenschaftlich, mehr Jäger und Soldat als Hofmann
und Diplomat" beschrieben.
Mit ihrer guten Auswahl der Erzieher für ihren Sohn legte
Anna Amalia den Grundstein für den "Weimarer Musenhof",
denn Wieland zog es nach den vereinbarten drei Jahren nicht mehr
aus Weimar fort, und sein Name zog weitere Dichter in die Stadt.
Am
3. September 1775 übernahm Carl August die Regierung und vermählte
sich kurz darauf mit Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt.
Auf der Reise zu seiner Vermählten machte er Station in Frankfurt
am Main und lud Goethe nach Weimar ein.
Als Goethe im November nach Weimar kam,
wurde er als Berater des Herzogs und seiner Mutter tätig. Er
sorgte z.B. dafür, dass die Stelle des Generalintendanten mit
Johann Gottfried Herder besetzt wurde.
(mehr bei Goethe )
Im Unterschied zu Wieland gelang es Goethe, Carl August so anzunehmen,
wie er war, ihn aber dennoch in seine Schranken zu weisen. "Der
Dichter begriff, daß nur der diese Kraftnatur lenken [...]
könne, der kameradschaftlich mit ihm im Bunde war, der ihn
an Wildheit der Ideen und Einfälle möglichst noch übertreffe,
ihm aber zeige, daß man auch beim tollsten Ritt die Herrschaft
über die Zügel nie verlieren dürfe."
Ein Gemeinschaftswerk Goethes und Carl Augusts war es, die Jenaer
Universität vor dem Untergang zu bewahren. Sie führten
neue Fächer ein, wie z.B. Chemie und Botanik, und beriefen
junge Wissenschaftler als außerordentliche Professoren an
die Universität.
Als 1806 Preußen Frankreich den Krieg erklärte, marschierte
Carl August als General im preußischen Heer gegen Napoleon.
Doch er unterschätzte die Geschwindigkeit der preußischen
Truppen und konnt nur von weitem das brennende Weimar betrachten.
Glücklicherweise setzte sich seine Frau Luise bei Napoleon
für das Herzogtum ein, und sie durften es behalten.
In der folgenden Zeit entschloß sich Carl August entgegen
der vorherrschenden Restaurationspolitik für die konstitutionelle
Monarchie. Er sorgte dafür, dass ein "Grundgesetz über
die landständische Verfassung des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach"
verabschiedet wurde, in welchem Pressefreiheit und freie Meinungsäußerung
verankert waren. Carl August nahm dieses Gesetz außerordentlich
ernst, zumindest für die damalige Zeit, und ließ auch
Kritik am Herzog zu. Selbst 1915, bei der Gründung der deutschen
Burschenschaften in Jena schritt er er nicht ein.
Erst als der Student Karl Ludwig Sand den Theaterdichter August
Kotzbue, der die Burschenschaften kritisiert hatte, ermordete, sah
sich der Herzog gezwungen, die Karlsbader Beschlüsse umzusetzen
und somit die Pressefreiheit und die Freiheit der Universitäten
stark zu einzuschränken.
Carl August starb am 14.6.1828 im Alter von 71 Jahren in Graditz
bei Torgau.
|